Bald Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung?

Das viele gesetzliche Krankenkassen kurz vor dem Bankrott stehen, ist den Versicherten spätestens seit der Pleite der City BKK klar. Aber auch die privaten Krankenversicherungen (PKV) haben zu kämpfen.

Seit Einführung des Gesundheitsfonds muss die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) noch mehr kämpfen, um ihr Pflichtspektrum und einige Extra-Leistungen gewährleisten zu können. Über kurz oder lang wird es weitere zahlungsunfähige Kassen geben. Weil dadurch erhebliche Verwaltungskosten wegfallen, sehen viele Experten diese absehbare Entwicklung als positiv an.

Auch die private Krankenversicherung muss derzeit scharf kalkulieren. Beitragserhöhungen in naher Zukunft scheinen unvermeidlich geworden zu sein. Denn die private Krankenversicherung wird von Mehrausgaben und Mindereinnahmen gleichermaßen geplagt. Das hat verschiedene Ursachen.

Gesundheitssystem wird teurer

Einerseits wird das Gesundheitssystem immer teurer. Nicht nur die Inflation, sondern auch neue Medikamente, Behandlungsmethoden und Gerätschaften in den Kliniken und Praxen wollen bezahlt werden.

Andererseits zwingt ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) alle privaten Krankenversicherungen (aber auch andere Versicherungsbranchen) dazu, im Zuge der Gleichbehandlung der Geschlechter, Unisex-Tarife anzubieten.

Ein weiterer unschöner Kostenfaktor ist das Ausbleiben von Beitragszahlungen vieler Mitglieder der privaten Krankenversicherung, die ihre Mitglieder aber trotzdem nicht kündigen darf.

Unisex-Tarife

Bisher mussten Frauen etwas mehr für ihre private Krankenversicherung bezahlen. Das liegt größtenteils an der höheren Lebenserwartung. Frauen nehmen im Durchschnitt auch mehr ärztliche Leistungen in Anspruch und sind deshalb teurer.

Nach dem EuGH-Urteil muss die private Krankenversicherung jetzt aber Unisex-Tarife anbieten. Für die Versicherten wird das nichts anderes als Beitragserhöhungen bedeuten. Denn der Männertarif wird sich eher am Frauentarif orientieren als umgekehrt.

Durch die angesprochenen Mehrausgaben wird die private Krankenversicherung diesen Anlass zu Beitragserhöhungen nutzen, denn das Urteil ist den Kunden als (vermutlich einziger) Grund vermittelbar.

Beiträge fehlen

Bis November 2010 sollen etwa 90.000 Privatversicherte den privaten Krankenversicherungen Prämien geschuldet haben. Auch bei den gesetzlichen Kassen kennt man die Problematik - es werden oft Krankenhaustagessätze und die neu geschaffenen Zusatzbeiträge von vielen Versicherten gekonnt ignoriert. Private Krankenversicherungen können die Mindereinnahmen nur oft nicht so gut abfedern, was meist in Mehrausgaben mündet.

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